Die Latinos: Amerikas größte Minderheit
Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der noch nie das Bild der Freiheitsstatue gesehen hat – sie steht repräsentativ für das, was Amerika gerne sein würde: ein Schmelztiegel der Kulturen, ein Ort der Freiheit, wo jeder Mensch ein Zuhause findet. Tatsächlich wäre Amerika ohne die Einwanderer niemals entstanden: 1620 kamen die sogenannten „Pilgrims“ auf der berühmten Mayflower hierher, die ersten westlichen Immigranten Amerikas.
Die Latinos
Doch heute macht eine andere Gruppe den größten Teil der Einwanderer aus: die Latinos. La Ola Latina, die lateinamerikanische Welle, betitelte die Los Angeles Times einen Artikel, als es 2006 dort zu einer riesigen Demonstration illegaler Einwanderer kam. Eine halbe Million Menschen, die nur über Mundpropaganda und Radiosender informiert worden waren, versammelten sich, um gegen den Entwurf eines neuen Einwanderergesetzes zu demonstrieren. Laut diesem Gesetz sollten alle illegalen Einwanderer und auch alle Menschen, die ihnen helfen, als Verbrecher eingestuft werden. Um die Veranlassung eines solch drastischen Gesetzes zu verstehen, muss man ein wenig weiter ausholen.
Die Verbreitung der Latinos
Latinos – das ist vor allem die Abkürzung für das spanische Wort „Latinoamericano“, Lateinamerikaner. Darunter fallen also alle Menschen von lateinamerikanischer Herkunft. Besondere Bedeutung hat der Begriff allerdings vor allem in den USA erlangt – hier wird er für alle Menschen verwendet, deren Muttersprache Spanisch oder Portugiesisch ist, synonym zum Begriff der Hispanics. Und derer gibt es in den Vereinigten Staaten viele. Von den 293 Millionen Menschen, die in den USA leben, nennen immerhin 41 Millionen Spanisch als ihre Muttersprache. Kommt man in den Süden der USA, so wird teilweise Spanisch schon als Hauptsprache an den Schulen gesprochen oder als erste Fremdsprache unterrichtet. Die Latinos sind jetzt schon die größte Minderheit Amerikas, und es zeichnet sich ab, dass sie bald auch die größte Bevölkerungsgruppe der USA werden. Über die Grenze zwischen Mexico und Amerika versuchen jedes Jahr weitere Immigranten, illegal in die Vereinigten Staaten einzureisen. 11 bis 12 Millionen illegale lateinamerikanische Einwanderer soll es in den USA geben – was in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre zu einer hitzigen öffentlichen Debatte führte und auch heute noch solche Gesetzesentwürfe provoziert wie den, gegen den in Los Angeles protestiert wurde.
Einwanderer
Dennoch leben die meisten Einwanderer aus Lateinamerika ganz legal in Amerika und haben auch eine Arbeitserlaubnis. Die Latinos stellen für Amerika eine wichtige Arbeitskraft dar. Deshalb bemangeln Experten immer wieder, dass in der Politik und im öffentlichen Diskurs zwar extensiv auf den illegalen Einwanderern herumgeritten werden würde, die Integrationsleistung der Latinos im Allgemeinen aber viel zu wenig gelobt würde. Das liegt womöglich auch daran, dass diese Integrationsleistung vielen Bewohnern Amerikas gar nicht auffällt: Nach wie vor besteht eine gewaltige Kluft zwischen den lateinamerikanischen Einwanderern und den weißen Amerikanern. Zwar wird auch in Deutschland eine derartige Kluft häufig wahrgenommen, doch hat sie sich hierzulande zum Beispiel zwischen Muslimen und christlichen Deutschen entwickelt und beruht auf religiösen Differenzen. In Amerika dagegen ist die Kluft eher sozialer Natur – um hier einen gerechten Ausgleich zu schaffen, sind fortwährende Maßnahmen der Politik und der Gesellschaft gefordert.
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