Lateinamerika: Die Kultur der Freiheit

Wohl kaum eine andere Region in der Welt hat es in den letzten Jahren geschafft, so viele Menschen weltweit zu begeistern wie Lateinamerika. Die lateinamerikanischen Studien an den Universitäten erhalten massiven Zulauf, und immer mehr junge Menschen entscheiden sich dazu, Spanisch statt etwa Französisch oder Italienisch zu lernen.

Sprache und Kultur

Das ist kein Wunder: Für ungefähr 350 Millionen Menschen in der ganzen Welt ist Spanisch die Muttersprache, und zählt man jene dazu, die Spanisch als Zweitsprache erlernt haben, werden es gleich über 500 Millionen Menschen, mit denen man sich dann verständigen kann. Vor allem die Kultur Lateinamerikas scheint für viele der reizvolle Knackpunkt zu sein. Nicht zuletzt die Verleihung des Nobelpreises der Literatur an Mario Vargas Llosa hat gezeigt, wie aufmerksam die Welt gegenüber der Kultur Lateinamerikas in den letzten Jahren geworden ist. Die Mentalität und die Geschichte, aber auch das neue Savoir Vivre der Lateinamerikaner zieht Millionen Menschen aus aller Welt in seinen Bann.

Einflüsse

Generell zählt man zu Lateinamerika jene Teile Amerikas, in denen Spanisch, Französisch oder Portugiesisch gesprochen wird – also Mexiko und Südamerika, aber teilweise auch die Karibik. Damit ist natürlich eine riesige Region angesprochen – dementsprechend vermessen ist es auch, ganz allgemein von einer Kultur Lateinamerikas zu sprechen. Ebenso wie der Kontinent Afrika, bei dem ebenso häufig gerne verallgemeinert wird, hat Lateinamerika eine Vielzahl eigener Kulturen und kultureller Ausprägungen und Eigenarten hervorgebracht. Auch europäische und sogar Einflüsse spielen natürlich maßgeblich in die lateinamerikanische Kultur hinein – der größte Teil der Bevölkerung dort ist katholisch, und in Brasilien ist das Land, in dem weltweit die meisten japanischen Immigranten leben. Dennoch scheint die Kultur Lateinamerikas von einer ganz bestimmten Mentalität gekennzeichnet zu sein, die Menschen aus jedem anderen Kulturkreis lockt und fasziniert: In Lateinamerika nimmt man das Leben locker. Pünktlichkeit ist hier keine Tugend, und gelacht und getanzt wird viel und gerne.

Tänze

Vor allen Dingen die Musik spielt überall in der Kultur Lateinamerikas eine äußerst wichtige Rolle. Nicht ohne Grund heißt eine Richtung der klassischen Tänze „lateinamerikanische Tänze“. Die Lateinamerikaner haben den Rhythmus einfach im Blut, so scheint es bisweilen. Doch die Musik Lateinamerikas ist ebenso vielfältig wie sie aufregend ist. Wohl kaum eine andere Region der Welt hat unterschiedlichere Musik hervorgebracht – sowohl lebhafte als auch verträumte Stile gibt es, sowohl temperamentvolle als auch ruhige Musikrichtungen. In den nördlichen Teilen Mexikos spielt man die ländliche Conjunto-Musik, anderswo Ranchera; in Kuba tanzt man zur ausgetüftelteren Habanera, in Uruguay liebt man den Tango, in Kolumbien tanzt man Cumbia und Vallenato.

Musik

Das einzige, was die vielen Arten der lateinamerikanischen Musik gemeinsam zu haben scheinen, ist die spanische Sprache – oder zumindest das Portugiesische, das dem Spanischen sehr nahe liegt. Doch wer behauptet, in der Folklore Lateinamerikas liege die wahre Seele dieses Kontinents – der hat wahrscheinlich sogar recht. Die modernere Variante der lateinamerikanischen Rhythmen findet heutzutage in Form von Pop und Rock ihren Weg in alle Welt, beeinflusst Künstler und Musiker überall und treibt Discobesucher jeder Nationalität auf die Tanzfläche. Wer die lateinamerikanische Musik hört, der kann sich einem Quäntchen der dazugehörigen Mentalität eben nicht verwehren.

Foto: thobo – Fotolia

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