Lateinamerikanische Einwanderer in den USA: Bald die größte Bevölkerungsgruppe
La Ola Latina – die lateinamerikanische Welle. Eine Bezeichnung, die die Los Angeles Times erstmals für eine Demonstration illegaler Einwanderer aus Lateinamerika verwendete, für eine Tatsache, mit der die Vereinigten Staaten von Amerika sich schon seit Jahren auseinandersetzen muss.
Kulturen
Die USA, die sich gerne als Schmelztiegel der Kulturen verstehen will und gerne Bilder von der Freiheitsstatue in alle Welt versendet, sieht sich mit einer wahren Einwandererwelle aus Lateinamerika konfrontiert – und das nicht erst seit gestern. 2006 war es in Los Angeles zu einer gewaltigen Demonstration illegaler Einwanderer gekommen, deren Ankündigung sich nur über Mundpropaganda und Radiosender verbreitet hatte. Beinahe eine halbe Million Menschen lateinamerikanische Einwanderer versammelten sich und demonstrierten gegen den Entwurf eines neuen Einwanderungsgesetz, das illegale Einwanderer und alle, die ihnen helfen, als Verbrecher einstufen sollte. Doch nicht mit den lateinamerikanischen Einwanderern in den USA: Ihrer Ansicht nach haben ihre Vorfahren tatkräftig dabei geholfen, die Vereinigten Staaten von Amerika aufzubauen – und damit habe die USA jedes Recht verloren, sie auszuweisen.
Einwanderer
Dabei gäbe es die USA ohne Einwanderer gar nicht. Als 1620 um die 100 sogenannten „Pilgrims“ mit der Mayflower nach Amerika segelten, waren auch sie so gesehen illegale Immigranten. 170 Jahre später besagte ein Gesetz, dass „jede fremde, weiße Person einreisen und Bürger“ der USA werden dürfte. Erst 1924 wurden Gesetze erlassen, die Immigrantenzahlen beschränkten, und später Quoten für einzelne Länder festgelegt. Trotzdem ist und bleibt es eine Tatsache: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind im Prinzip auch die Vereinigten Staaten der Immigranten. Auch heute noch werden knapp elf Prozent der Bevölkerung Amerikas im Ausland geboren. Doch in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre begann eine hitzige Debatte um illegale lateinamerikanische Einwanderer die Öffentlichkeit der USA zu bestimmen. Über die Grenze zwischen Mexiko und Amerika versuchen immer noch jedes Jahr Unzählige von Flüchtlingen nach Amerika einzuwandern – 11 bis 12 Millionen illegale lateinamerikanische Einwanderer soll es in Amerika geben. In den USA leben rund 293 Millionen Menschen, und 41 Millionen davon nennen Spanisch als ihre Muttersprache. In den südlicheren Gefilden der USA wird Spanisch an der Schule bereits als erste Fremdsprache gelehrt, wenn nicht gar ein zweiter, spanischsprachiger Bildungszweig angeboten wird. Es zeichnet sich ab, dass die sogenannten Latinos bald die größte Bevölkerungsgruppe in den USA werden. In Kalifornien und vereinzelten anderen US-Staaten stellen sie bereits die Mehrheit.
Arbeitskräfte
Und obwohl viel über die illegalen lateinamerikanischen Einwanderer in den USA diskutiert wird, halten sich die meisten lateinamerikanischen Einwanderer legal dort auf und haben auch eine Arbeitserlaubnis. Ihre Gruppe stellt für Amerika wichtige Arbeitskraft dar. Experten bemangeln, dass in der amerikanischen Politik und im Diskurs über die lateinamerikanischen Einwanderer viel zu wenig deren gewaltige Integrationsleistung gelobt werde. Dennoch besteht nach wie vor eine Kluft zwischen den lateinamerikanischen Einwanderern und den „echten“ Amerikanern. Während diese Kluft etwa in Deutschland zwischen den Muslimen und den christlichen Deutschen durch die religiösen Differenzen begründet wird, spricht man in Amerika häufig von einer sozialen Kluft. Um hier Ausgleich zu schaffen, sind Maßnahmen der Politik, aber auch der Kultur und der Gesellschaft gefordert.
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